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Verein ausgezeichnet

Alzheimer Fokus-Preis

Anlässlich des Welt-Alzheimertages hat die Alzheimervereinigung Kanton Zürich den Fokus-Preis 2012 verliehen. Die Auszeichnung ging an Eva Wagner-Herzog, die Präsidentin des Vereins Freunde Altersheim Doldertal. FDP-Ständerat Felix Gutzwiller hielt die Laudatio im Pfarreizentrum Heilig Geist im zürcherischen Wetzikon.

21. September 2012. «Frau Eva Wagner erhält den diesjährigen Alzheimer Fokuspreis für Ihre Verdienste in der öffentlichkeitsrelevanten ideellen und materiellen Unterstützung Demenzkranker in spezialisierter stationärer Betreuung durch den von ihr gegründeten und geleiteten Verein Freunde des Altersheims Doldertal:

Frau Wagner betreute in den ersten Krankheitsjahren ihren an der präsenilen Form von Alzheimer erkrankten Ehemann selber zu Hause. Wie die meisten in ähnlicher Situation, kam sie schliesslich durch die immer schwieriger werdende Betreuung an ihre Belastungsgrenze. Sie übergab ihren Lebenspartner deshalb schweren Herzens dem auf die Betreuung von Demenzkranken spezialisierten städtischen Altersheim Doldertal. Dort besuchte sie ihn jeden zweiten Nachmittag und erlebte, wie gut es ihm dort ging – ganz unter seinesgleichen, nicht mehr regelmässig konfrontiert mit der Überforderungen in seinem Alltag dank der demenzgerecht gestalteten Betreuung und Umgebung im Doldertal.

Eines Tages erfuhr sie, dass das Kleinaltersheim Doldertal latent von der Schliessung bedroht sei – wie das ehemalige Altersheim Platte, das aus Spargründen geschlossen worden war, obwohl sich die damaligen BewohnerInnen besonders wohl fühlten in dem alten, gemütlichen Kleinheim. Gerade die Tatsache, dass das Heim nicht den gängigen Normen entsprochen hatte, machte in ihren Augen seinen Charme aus.

Doch Frau Wagner resignierte nicht, sondern handelte, wie sie es früher auch schon im Kantonsrat getan hatte: Sie gründete mit Fachpersonen, Familienangehörigen, Bekannten und QuartierbewohnerInnen eine wirkungsvolle Lobbyorganisation für das Dementen-­Kleinheim Doldertal. Ziel des von ihr 2006 ins Leben gerufenen Vereins Freunde Altersheim Doldertal ist es, für demenzkranke Menschen optimale Bedingungen zu erhalten und fördern, so dass sich das Altersheim Doldertal zu einem anerkannten Kompetenzzentrum entwickeln könne. Dazu berief sie einen kompetenten Vorstand. Mit diesem zusammen machte sie mit regelmässigen Vortragsabenden von Fachleuten sehr wirkungsvolle Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Dementenbetreuung allgemein und speziell im Doldertal. Sie scheute sich dabei nicht – heute eine Bedingung für erfolgreiche Medienauftritte – auch ihr persönliches schwieriges Schicksal durch die Demenzerkrankung ihres früher weit herum bekannten und prominenten Ehemanns publik zu machen, ein leider bei Demenz noch viel zu seltenes Coming-­Out.

Es ist überdies dieser erfolgreichen Oeffentlichkeitsarbeit zu verdanken, dass heute etliche Freiwillige im Altersheim Doldertal unschätzbare Dienste leisten, und dass die Zahl der Vereinsmitglieder im Laufe der Jahre auf über 60 angestiegen ist. Der Verein wirkt aber nicht nur nach aussen, sodern auch direkt zugunsten des Altersheimes. Er ist finanziell in der glücklichen Lage, den Bewohnerinnen und Bewohnern zu einigen Annehmlichkeiten zu verhelfen, die aus dem odentlichen Budget nicht möglich wären. So hat er beispielsweise ein neues Klavier, verschiedene neue und bequeme Möbel und einen Gasgrill für sommerliche Essen im Garten finanziert.

Das Gebäude des Altersheims Doldertal wurde um das Jahr 1900 erstellt und ist denkmalgeschützt, und so standen der Entwicklung zum Demenz-­Kompetenz-Zentrum grosse bauliche Schwierigkeiten entgegen. Aus den Mitteln des Vereins wurde deshalb ein Gutachten des bekannten Zürcher Heimatschutzarchitekten Marcel Knörr finanziert, um herauszufinden, wie und womit im Doldertal die Dementenbetreuung baulich verbessert werden könnte. Als das Gutachten vorlag und einen attraktiven Ausbau der kaum nutzbaren Terrasse auf dem neueren Anbau vorschlug, verstand sie es, der zuständigen Stadträtin Kathrin Martelli den Vorschlag so schmackhaft zu machen, dass der schöne Wintergarten bereits zwei Jahre später eingeweiht werden konnte. Später wurde ein ähnliches Vorgehen für eine optimal demenzgerechte Gestaltung des Gartens um die Villa Doldertal an die Hand genommen und eine Studie finanziert, und der Garten ist heute bereits neu erstellt.

Frau Wagner hat mit ihrem aktiven Lobbying nicht nur geholfen, das Doldertal nachhaltig in Richtung Kompetenzzentrum für Demenzkranke Menschen zu entwickeln, sondern sie hat auch der spezialisierten stationären Dementenbetreuung zu vermehrter Anerkennung verholfen. Denn leider haben heute noch viele Angehörige Hemmungen, eine Spezialinstitution für Demenzkranke für ihre Angehörigen zu suchen und zu beanspruchen, weil damit ja ein Coming-­Out über die Demenzerkrankung verbunden ist.

Es ist jedoch wiederholt wissenschaftlich belegt worden, dass Demenzkranke stationär die beste Lebensqualität erreichen in einer auf Dementenbetreuung spezialisierten Institution und dass ein Coming-­‐Out über Demenz in der Familie allen viel mehr Positives als Negatives bringt. Diesen wissenschaftlichen Aussagen soll der diesjährige Focuspreis zu breiter Anerkennung verhelfen.»

Dr. Felix Gutzwiller, Ständerat FDP